Kurzgeschichte: Plötzlich ist alles weiß, was fürn Sch….

Kurzgeschichte Plötzlich ist alles weiß, was fürn Sch...

Ich bin in Eile, schon wieder zu spät.
Verdammt.
Was?
Also…
Schmeißt da etwa schon wieder jemand mit Papierschnipseln nach mir?
Ehrlich?
Also der kann was erleben!
Mitten im Sprung halte ich inne.
Stelle mich auf meine Hinterbeine, verschränke die Arme vor der Brust und bin bereit demjenigen mal so ordentlich den Marsch zu blasen.
Aber sowas von.
So.
Ich bin bereit.
Und wo ist der nun?
Suchend schaue ich mich um.
Plötzlich geht mein Blick nach oben.
Oh nein.
Hilflos entgleisen mir meine Gesichtszüge.
Das darf doch nicht wahr sein.
Wer hat das denn bestellt?
Hilfe!!
Das sind ja gar keine Papierschnipsel.
Viel schlimmer.
Es schneit.
So richtig.
Eigentlich schön, aber jetzt doch nicht….
Nö.
Was mach ich denn jetzt?
Vielleicht schaff ich meine Erledigungen ja noch bevor alles zu spät ist.
Ich könnte heulen.
Wieso denn heute?
Gerade wo ich doch..
Egal.
Los geht´s.
Wie ist doch gleich der schnellste Weg nach Hause?
Boah.
Da vorne rechts, 2te links, beim 3. Baum rauf, zweimal springen, eins runter, zu Hause.
Oder doch die 3. links und den 2. Baum rauf?
Och…..
Kann mir jemand helfen?
Eichhörnchen sucht Beratung, Lebenshilfe, kompetenten Wegweiser.
Hallo?
Ich muss es versuchen.
Also renne ich Hals über Kopf drauf los.
Während ich renne umklammere ich meine heutige Ausbeute ganz fest.
Nichts darf verloren gehen.
Das bring ich noch nach Hause und dann muss ich die Lager aufsuchen, sonst haben wir nichts zu essen.
Oh, oh, die Eichel rutscht mir fast von der Kralle.
Verdammt.
Vielleicht hätte ich doch die kleinere nehmen sollen.
Aber diese sah so schön aus und außerdem hat John sie so nicht gekriegt.
Wär ja auch noch schöner.
Aufpassen.
Tief durchatmen.
Hier geht´s aber tief runter.
Nach vorne schauen.
Nicht nach unten.
Nochmal atmen.
Bin ich hier überhaupt richtig?
Wieso muss ich das als Frau eigentlich alles alleine machen?
Achso.
Ich vergaß.
Lassen wir das.
Gleich geschafft.
Die zwei Sprünge noch, dann bin ich da.
Da vorne ist es.
Mein zu Hause ist in greifbare Nähe gerückt.
Noch einmal springen, ein zwei drei, Sprung.
Puh, geschafft.
Vorsichtig lege ich die Eichel in unseren Kogel ab und wische mir erschöpft den Schweiß von der Stirn.
Suchend schaue ich mich um.
Wo ist er denn?
Er sollte doch schon längst da sein.
Immer das gleiche.
Trotzdem kann ich ihm nicht böse sein.
Stimmt.
Vor allem wenn er mich dann mit diesen großen Augen ansieht, mein kleiner Junge.
Wie könnte ich.
Das sieht hier aber wieder aus bei uns.
Ich komme gerade aber auch zu nichts.
Hastig räume ich auf.
Gerade als ich den letzten Staub abgewischt habe, fällt es mir wieder ein.
Schneee..
Meine Hand schnellt gegen meine Stirn und schlägt auf.
Oh nein.
Erschrocken renne ich vor zu unserem Eingang.
Was ich da sehe, will ich nicht sehen.
Nein.
Aus den kleinen Flocken sind ganz viele geworden.
Inzwischen ist alles weiß, so ein Schei….
Und jetzt?
Unsere Vorräte.
Wie soll ich die denn wiederfinden?
Ohne lange zu überlegen, renne ich los.
Verzweifelt irre ich umher, grabe hier und dort, doch alles sieht gleich aus.
Was mach ich nur?
Für ein zwei Tage reicht unser Vorrat noch.
Nur wenn dieser komische Schnee länger bleibt?
Oh Gott.
Ich muss nach Hause.
Ben ist bestimmt da und braucht sein Abendessen.
Richtig.
Morgen such ich einfach weiter.
Heute wird das nichts mehr.
Leider nicht.
Ziemlich niedergeschlagen kehre ich zurück nach Hause.
Dort angekommen erwartet mich Ben schon total aufgeregt und hungrig.
Bei seinem Anblick kann ich gar nicht anders, als alles andere vergessen.
Wir lachen zusammen und dann bringe ich ihn ins Bett.

Am nächsten Morgen werde ich von lauten Rufen geweckt.
„Mama! Mama, guck dir das mal an! Das musst du sehen.“, Ben ruft nach mir.
Ich liebe meinen Sohn, wirklich.
Doch in solchen Momenten, ahhhh.
Was auch immer es ist, ich bin müde.
Darauf nimmt er keine Rücksicht, er rüttelt mich ziemlich unsanft wach.
Nein, das ist untertrieben.
Mit all seiner Kraft zehrt er mich an meiner Hand aus dem Bett und führt mich zu unserem Eingang.
„Guck mal, cool oder?“, voller Begeisterung schaut mich Ben an und zeigt nach draußen.
„ Ja total“, will ich erwidern, einfach nur um wieder ins Bett zu können.
Doch dann fällt mir die Kinnlade runter.
Da wo gestern noch alles weiß war, ist alles wieder grün.
Kein einziges weißes Fleckchen mehr.
Alles weg.
Mir fällt ein großer Stein vom Herzen.
Plötzlich bin ich hellwach und falle meinem Sohn vor Freude um den Hals.
Eine Sorge weniger, denke ich während ich noch immer staunend und fassungslos das Frühstücke mache.
Habe ich das alles gestern vielleicht doch am Ende nur geträumt?
Vielleicht.

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