Mein Weg ans andere Ende der Welt

Im Flieger nach Hongkong

Die Ankunft in Auckland rückt in greifbare Nähe.

Es sind noch 3 Stunden und 29 Minuten bis zur Landung.

Erst jetzt begreife ich langsam, was das für mich bedeutet.
Nicht nur in Auckland anzukommen, nein, dass es wirklich losgeht.
Da erscheint mit der Ausflug gestern in Hongkong eher wie ein leises kurzes Vorspiel, vor dem was da auf mich zu kommt in den kommenden Wochen und Monaten.

In Hongkong klebte ich staunend am Fenster des Buses vom Flughafen in die Stadt.

So wirklich eine Vorstellung von Hongkong hab ich mir vorher halt nicht gemacht.
Wieso auch, schließlich nur eine Zwischenlandung auf meinem Weg zum eigentlichen Ziel, dass andere Ende der Welt, Neuseeland.
Meinen Blick konnte ich trotzdem nicht von all den grünen Bergen, Hügeln auf der einen Seite und dem ganzen Wasser, den Brücken und Schiffen auf der anderen wenden.
Zusätzlich lag über allem eine große weiße Wolkenwand, die der Stadt für mich noch etwas mystisches gegeben hat.
Ich sollte aufhören soviel Science Fiction und Actionfilme zu gucken, kein Wunder dass dann vor Ort das Kopfkino angeht.


Kontrastreich ging es weiter, nicht nur das ich mich zwischendurch aufgrund der fremden Schriftsprache

Frühstückskarte in HongkongLost in trainslationverloren fühlte, nein, von oben betrachtet, genauer vom Sky100 (393 Meter über dem Meeresspiegel) sah ich auf eine Stadt die eine Landschaft aus Türmen zauberte.


Zwischen all den Türmen im Wasser immer wieder Kreuzfahrtschiffe, Containerschiffe, kleine Fischerboote, Hotelpools auf den Dächern neben, Tennisplätzen und Co.
Das ich mit jemandem die Stadt erkunden konnte, der dort aufgewachsen ist, half mir sehr.
Es verschaffte mir die Möglichkeit, Dinge zu hinterfragen, um zu verstehen, wie es dort ist, diese auf mich ersichtlichen Parallelwelten zum Teil nebeneinander existieren können.
Letztendlich musste ich am Ende des Tages auf dem Weg zum Flughafen an meine Zeit in Bangkok denken.
Dort ist es mir in meiner Zeit auch schwergefallen, diese beiden Extreme und ihre Koexistenz zu akzeptieren.
Mittlerweile scheint es fast so, als ob es das eine ohne das andere gar nicht geben kann.

Ob es auch anders geht und ich das auf meiner Reise finden werde?

Vielleicht.
Etwas was mir glaube ich auf ewig fremd sein wird, ist das warme herzhafte Essen am frühen Morgen, dass ist in Hongkong nämlich üblich, davon durfte ich mich selbst überzeugen.
Suppen, Nudeln oder auch schon Fleisch zum Frühstück, bei dem Gedanken alleine verweigert sich schon mein Magen.

Mein Frühstück in HongkongNachdem Frühstück, ich habe ein großes verdammt süßes traditionelles Brötchen gegessen und danach außer ein bisschen von dem Milchtee nichts mehr runtergekriegt.
Mann ist der stark, dabei war da doch schon Milch drin.
In den Tee auch noch die empfohlenen 2 Päckchen Zucker zu geben, dass konnte ich nicht, was eine Zuckerüberdosis, dabei versuche ich doch zumindest vor Weihnachten auch sehr erfolgreich Zucker weitestgehend zu vermeiden.
Naja, wird sich zeigen, wie es mit dem Zucker auf der Reise weitergeht.
Im Anschluß an das Frühstück ging es rauf mit dem Fahrstuhl zur 360 Grad Aussicht im Sky100 über Hongkong, auch wenn durch den weißen Nebel nicht viel zu sehen war, konnte ich einiges entdecken zum Beispiel die Kontraste und das Land der Türme.

Die meiste Zeit von den 11 Stunden verbrachte ich allerdings in der U-Bahn von Hongkong, einiges an unterschiedlichen U-Bahnen, S-Bahnen ist mir zwar geläufig, aber das ist ja nochmal was ganz anderes.

Wie eine Stadt unter der Stadt sozusagen, kam es mir vor.

Kilometerweit sind wir gelaufen, wenn wir irgendwo in einer Station zum Gleis kommen wollten, dass ist mir auf meinem Weg zum Gate vorkommen wie ein langer langer Spaziergang.
Vielleicht schon eine Vorbereitung auf das Jahr voller wandern und auch pilgern?
Naja, da ziehe ich die Natur dem künstlich belichteten Untergrund schon vor, selbst wenn es da mal regnen kann.
Ich liebe es einfach an der frischen Luft zu sein, mir den Kopf durchpustend zu lassen, den Regen manches Mal erst zu hören bevor ich ihn auf meiner Haut spüren kann oder die wohlige Wärme und Kraft der Sonne in meinem Gesicht, die mir jedes Mal dabei ein Lächeln aufs Gesicht zaubert.
Allein beim Gedanken daran, krieg ich gute Laune und freue mich schon sehr auf meinen ersten Spaziergang in Neuseeland in der Natur.

Doch vorher wurde mir die Ehre zuteil, an meiner ersten Teeverkostung teilzunehmen.

Ich liebe Tee, schon immer, glaubte daher auch ein bisschen Ahnung zu haben.
Haha, sehr witzig.
Sowas von keine Ahnung.


Gleichzeitig saß ich staunend vor Herrn Lau Kwok Ho, der bereits seit über 50 Jahren Tee verkauft, Workshops anbietet und hiermit eine langjährige Familientradition fortsetzt.
Üblicherweise trinke ich viel Kräutertee oder grünen Tee.
Seit gestern bin ich zugegeben in den Oolong Tee verliebt, er ist ganz sanft, schmeichelt sich um den Gaumen, wie ein Kuss den er einem zugeben scheint, der einen gleichzeitig aufweckt, mit neuer Energie und Frische versorgt.
Aber der Reihe nach.
Angefangen sind wir mit dem Jasmin Tee.
Guten Jasmintee erkennt man daran, dass er keine kompletten Blüten enthält.


Damit noch immer nicht genug, gibt es die runden Palletts und den losen Jasmintee,
Die Pallets schmecken alleine vom zusammen pressen und dem Fermentieren des Tees wesentlich intensiver als der lose.
Ich war dort bereits Feuer und Flamme, Ray (der Freund, von einem Freund, der sich Zeit für mich genommen hat) durfte fleißig übersetzen und ist auch ein Teeliebhaber.
Wie spannend.
Alleine dieses Teebrett, dass ich zuvor schon kurz bei Ray zu Hause gesehen hatte, gab es hier nun auch.
Jeder Aufguss des frischen Tees wurde richtiggehend zelebriert, es sah aus wie Kunst.
Stundenlang hätte ich ihm zu schauen können.
Diese Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit mit der er die Aufgüsse machte, immer wieder gespannt auf meine Reaktion wartete.
Ja, man kann mir im Gesicht deutlich ablesen, ob mir was schmeckt oder nicht.
Der Gedanke ans tragen einer Gesichtsburka ist mir schon mehr als einmal durch den Kopf gegangen.
Auf den Jasmin Tee folgte dann der pure, rohe Tee aus einem Teekuchen.
Sowas kannte ich vorher auch noch nicht.
Große runde Teekuchen, Teetaler sind mir zwar schon mal untergekommen, aber Teekuchen kenne ich erst seit gestern.
Essen kann man den aber nicht.


Die runden Kuchen, qualitativ auch sehr unterschiedlich werden häufig verschenkt, als Akt der Wertschätzung.
Für die Zubereitung des Tees werden ca 5 g vom Teekuchen abgebrochen und in ein weißes Schälchen gegeben wo es dann 2-3 Sekunden mit heißem Wasser übergossen wird.
Es gibt beim Teekuchen zwei unterschiedliche Sorten, den puren oder den gekochten.
Interessanterweise entwickeln die Teekuchen erst einen Duft nach dem Aufgießen des Tees vorher riecht man nichts.
Ohne das im rohen probierten Tee, eine Frucht enthalten ist, konnten wir ganz deutlich Pflaume schmecken.
Da wir das beide unabhängig voneinander schmecken konnten, vermute ich, dass es so ist, woher die Fruchtnote auch immer gekommen sein mag, sie gibt dem ganzen einen schönen Geschmack, dass leicht bittere wird völlig in den Hintergrund gedrängt.
Beim gekochten sah es da schon anders aus, dort gab es keinerlei Fruchtnote, es erinnerte mich eher an Kaffee, zumindest an den Geruch, ich trink ja keinen.

Mein absoluter Favorit der gesamten Verkostung war der Oolong Tee, der Geruch erinnerte mich an frische Sommerwiesen und der Geschmack im Mund, gab mir das Gefühl im frischen Gras zu liegen, einen tiefen Atemzug zu nehmen, um alles andere mal zu vergessen. Herrlich.

Zum Abschluss machte ich mit der Hongkong Tee Variante von Kaffee meine Bekanntschaft, wie ihr seht hatten wir sehr kleine Becherchen, doch selbst bei denen war für mich beim Kung-Fu Tee nachdem zweiten Schluß.
Ich glaube sofort, das dieser Tee den Kung-Fus hilft wach zu bleiben und ihnen sofort neue Kraft gibt, der weckt ja Tote wieder auf.
Boah.

Nicht meins, definitiv nicht.
Mein Gesicht hat mich wieder mal verraten und Herr Ho hat herzlich gelacht.
Zumindest etwas.
Nein, ganz ehrlich für diese spontane Teeverkostung bin ich so dankbar.
Zu sehen wie Herr Ho, mit dem Tee umgeht, der für mich in meinem Leben schon so selbstverständlich Teil meines Lebens ist, ja jeden Teeaufguss zelebriert, hat mich Demut und Dankbarkeit gelehrt.
Gleichzeitig, wieder Mal das die kleinen Dinge, schon viel verändern und ausmachen.
Bei meinem Tee gerade hier an Bord musste ich wieder daran denken, Tee ist nicht gleich Tee.
Lustig fand ich es da schon, als ich mich nach der Verkostung am Flughafen zu meinem Abfluggate begab, die Sonderausstellung vom Hongkong Museum der Kunst, neben dem Gate zu sehen, wo die verschiedensten Teekannen ausgestellt werden.

Teeausstellung am Flughafen von Hongkong

Teekannen aus HongkongKissing Faces
Ein gelungener Abschluss meines Tages in Hongkong.

Was ich aus Hongkong für mich mitnehme?

Hongkong ist eine Stadt der Kontraste, die an allen Ecken und Kanten grüne Flächen wie Pflanzen hat, was eine große Wohltat ist.
Im Untergrund der Stadt wo all die U-Bahnen und Züge fahren, existiert eine Stadt unter der Stadt.
Demut und Dankbarkeit für die kleinen Dinge des Lebens und diese auch im Alltag zu feiern.
Ich liebe Oolong Tee.

So, das wars erstmal.
Gleich heißt es „Kia Ora“ (Herzlich Willkommen) in Neuseeland.
Endlich….

37 Minuten vor der Landung in Auckland

Wow.
Es ist ja draußen schon taghell, denke ich als ich die Fensterabdeckung im Flugzeug hochziehe.
Wobei mir im nächsten Moment einfällt, dass hier ja auch schon morgen ist circa 9:30.
Beim Blick in diese schöne Wolkenlandschaft kommen mir die Tränen.
Gleich landen wir.
Neuseeland nach über 15 Jahren bin ich endlich da.
Da ist so viel an Gefühlen in mir.
Die Tränen sind welche von den besonders wertvollen Tränen des Glücks, mein Fahrprüfer nannte sie, unsere eigenen Diamanten.
Recht hat er.
Bis zur Landung gehen mir noch einige Dinge durch den Kopf, schlagartig sind die aber vergessen, als wir uns im Landeanflug übers Wasser, vorbei an der Küste Neuseelands Richtung Landebahn begeben.
Fantastisch dieser Blick von oben auf die atemberaubende Landschaft, die hügelige Landschaft, das ganze Wasser.

 

Landung in Auckland
Hier werde ich also die nächsten 3 Monate leben.
Fassen tu ich es immer noch nicht.
Das kommt bestimmt noch.
Erstmal landen wir, im Vergleich zu den beiden anderen Landungen, endlich mal eine sanfte.
Hallo Neuseeland, jetzt lernen wir uns endlich kennen.
Ich freu mich auf dich.

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