Ich habe völlig den Verstand verloren

Wahnsinn.
Dieser Tag startete völlig harmlos, unaufregend.
Ich dachte, oh wie schön, endlich mal ein bisschen entspannen und zur Ruhe kommen.
Oh mein Gott.
Das ich am Ende des Tages meinen Verstand verlieren sollte, stand da noch nicht zur Debatte.
Nicht mal ansatzweise.
Völlig undenkbar.
Aber es ist passiert.
Ich war dabei.
Auf unserem heutigen Weg zur nächsten Übernachtung gingen wir für einen kurzen Spaziergang eine alte Gold und Silbermine besuchen.
Der Ausblick super schön, die Hängebrücken weniger wundervoll.
Vor allen Dingen nicht, wenn mehr Leute auf die Brücke gehen als sollten.
Manchmal frag ich mich ob die Leute keine Schilder lesen können oder wollen.
Meinem Magen hat es auch nicht gefallen.
Im Vergleich was da noch kommen sollte, Kinderkram.
Lachhaft.
Nach der Mine fuhren wir weiter zu unserem nächsten Hostel für die heutige Nacht.
Dort angekommen gab es noch kurze Zeit Sachen auszupacken und sich umzuziehen.
Bereits am Anfang der Busreise buchte ich für heute Rafting durch die Glühwürmchen Höhle hier in Waitamo.
Coole Sache.
Nachmittags hieß es dann in den Bus und los gehts.
Dort angekommen, umziehen in diese wunderschönen Neoprenanzüge.
Wunderbar.
Zu diesem Zeitpunkt glaubte ich wir steigen gleich in ein großes rotes Gummiboot und lassen uns gemütlich durch die Höhle treiben.
Hätte ich gewusst was mich erwartet, ich wäre nicht hingegangen.
Definitiv nicht.
Hab ich schon mal erwähnt das ich Höhenangst habe?
Falls nicht, jetzt tue ich es.
Aber für diese Reise ist es ja auch mein Ziel den Ängsten zu begegnen.
In unseren wunderschönen Klamotten ging es dann weiter.
Nach einer kurzen Einweisung erhielt jeder von uns einen Gummireifen.
Im ersten Moment dachte ich, hä, was wird das denn jetzt.
Vielleicht machen wir vorher noch einen kurzen Abstecher oder so.
Dann stellte sich unser Guide hin und zeigte uns was wir tun sollten.
Ich stand da und glaubte der macht Witze.
Ein schlechter Scherz.
Lachen konnte ich nicht.
Unmöglich.
Wir sollten tatsächlich den Reifen nehmen, hinter uns und rückwärts ins Wasser springen.
Hallo?
Gehts noch?
Der spinnt doch.
Scheinbar nicht.
Spätestens nachdem die erste reingesprungen ist, wurde mir klar, das ist Ernst.
Wie komm ich hier wieder weg?
Der schnellste Weg hier weg war doch gleich wo lang?
Scheiße, scheiße, scheiße.
Wo hab ich mich hier nur wieder reingeritten.
Herzlichen Glückwunsch.
Vielleicht sollte ich mir in Zukunft angewöhnen, vorher das ganze nochmal durchlesen.
Weglaufen ist keine Option.
Nein, richtig.
Ich vergaß.
Also Augen zu und durch.
Der erste Sprung war furchtbar.

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Danach entschied ich mich, es als Chance zu sehen.
So viele Jahre begleitet mich diese Angst.
Was wenn sie vielleicht nur in meinem Kopf existiert.
Hier ist die Möglichkeit es herauszufinden.
Alles klar.
Ich mach das.
Was sonst.
Ab dem Moment wurde es besser.
Während ich diese Zeilen schreibe bin ich immer noch stolz auf mich.
Höhenangst pah.
In dieser Höhle bin ich in Spalten geklettert, durchs Wasser gekrochen, Wasserfälle runtergesprungen, rückwärts ins Dunkel.
Verdammte Axt.
Wow.
Das wäre für mich vor ein paar Wochen noch völlig undenkbar gewesen.
Jetzt ist es getan.
Geht das so weiter?
Werde ich meinen Ängsten in die Augen blicken und sie besiegen, loslassen.
Was passiert dann wohl?
Keine Ahnung.
Erstmal bin ich mega stolz auf mich und werde diese Erfahrung nie wieder vergessen.
Eine einmalige Chance und Gelegenheit.
Schlafen werde ich bestimmt gut und meinen Verstand finde ich auch noch wieder.
Gerade bin ich völlig überwältigt.
Was für ein Tag.

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