Maori

Ich lag damals unter meiner Weltkarte in meinem Bett.
Wahrscheinlich 10 oder 11 Jahre alt.
Konnte wieder mal nicht schlafen.
Doch um mir die Zeit zu vertreiben stellte ich meine Füße an die Schräge und fing an mir diese ganze große Welt anzugucken.
Was gab es da nicht alles zu entdecken.
All diese fremden Namen, die Flaggen, Fragen und Gedanken in meinem Kopf.
Wie ist das da wohl?
Essen die dasselbe wie wir?
Sprechen die auch Deutsch oder zumindest Englisch?
Ob ich da mal hinkomme?
Ans andere Ende der Welt?
Neuseeland oder Australien, einen Koala im Arm halten?
Boah.
Ein schöner Gedanke.
Irgendwo schnappte ich auf, dort gibt es noch Eingeborene.
Sind die friedlich?
Hoffentlich.

20 Jahre später

Im Bus auf dem Weg zum Tamaki Maori Village.
Hier werde ich heute Abend nicht nur etwas über die Kultur der Maori lernen, sondern auch übernachten.
Endlich.
Inzwischen in all den Jahren, ist mir einiges zu Ohren gekommen.
So wirklich weiß ich es ja doch erst wenn ich es selbst erlebt habe.
Spätestens seit meinem Kurs ist mir das noch deutlicher geworden.
Oh ja.
Kaum dort angekommen, passierte etwas mit mir.
Zuerst schenkte ich dem gar keine große Bedeutung oder war mir gar dessen bewusst.
Erst später am Abend sollte es mir so richtig klar werden.
Kurz nach unserer Ankunft erhielten wir eine kurze Einführung in die Regeln der Maori.
Wenn sich ein Stamm fortbewegt, laufen vorne die Stammesoberhäupter, denen folgen dann die Frauen und die anderen Männer gehen am Ende.
Dies hat natürlich einen Grund.
Verliert der Stamm im Kampf einen Mann, verliert er einen Menschen, sollte aber eine Frau sterben, verliert der Stamm eine ganze Generation. Eine völlig neue Perspektive das Leben, Familie und die Bedeutung der Gemeinschaft und dessen Schutz zu betrachten.
Gemeinsam mit Leeda übten wir ein Lied ein, ( A Haka Mana) in der Sprache der Maori.Tamaki Maori Village
Ohne zu wissen was es heißt, nur mit dem Wissen im Hinterkopf, wir üben es um es heute Abend vor ca. 160 Leuten zu singen, sangen wir.
Selten lachte ich so viel und fühlte mich mitten im Kreise meiner Familie wie dort.
Einer anderen Art der Familie, dennoch Familie.
Familie kann ganz verschiedene Arten und Facetten haben.
Hier wird mir das auf besondere Art und Weise näher gebracht.
Schön.
Unsere Unterkunft ist ein traditionelles Haus, in dem wir alle zusammen, in unserem eigenen Bett gemeinsam schlafen.Tamaki Maori Village
Beschützt von außen durch die Schnitzereien der Maori, der Vorfahren, in unserem Fall beschützt vom Geist der Entwicklung und Perspektive der Kolonialisierung.
Im Wald lernten wir dann spielerisch Rituale und Trainingsmethoden der Maori kennen, die diese damals nutzen um ihre Koordinationsfähigkeiten zu trainieren.
Klasse.
Erfahrungen und Lernen auf spielerische Weise ist etwas wundervolles.
Wieso tun wir das als Erwachsene eigentlich nicht mehr?
Irgendwo auf dem Weg des Erwachsenwerdens tun wir es einfach nicht mehr.
Alles ist dann mit einem Mal so verdammt ernst.
Dabei kann das so viel Spaß machen.
Kurze Pause zum Verschnaufen und dann wurde es ernst.
Alle anderen Gäste von außerhalb kamen, um die Show zu sehen.
Den Anfang machte der formelle Begrüßungsritus der Maori.Tamaki Maori VillageTamaki Maori Village
Im Anschluß daran gingen wir in kleinen Gruppen zu Schulungshäusern, in denen wir von den Maoris verschiedensten Traditionen näher gebracht bekamen, Fragen stellen durften sowie selbst ausprobieren sollten.
Unsere erste Station war die Poi Station.
Hier durfte ich selbst ran.Tamaki Maori Village
Ehrlich, das ist gar nicht so einfach wie es aussieht.
Die Maori trainieren hiermit die Muskeln der Hand, nutzen den Poi aber auch für Zeremonien (wie ihr später im Video noch sehen könnt).
Danach bekamen wir Stockspiele erklärt, die wiederum gut dafür sind um die Hand-Augen-Fuß Koordination zu trainieren für den Fall eines Krieges zum Beispiel.Tamaki Maori Village
Als nächstes stand der Haka auf dem Programm, der traditionelle Tanz der Männer, damit sie sich auf die Schlacht einstimmen können.
Hier durften wir Frauen mal zu gucken und die Männer durften ausprobieren wie das geht.Tamaki Maori Village
Beim nächsten Haus bekamen wir die Holzschnitzkunst sowie deren Bedeutung näher gebracht.
Die Maori überliefern schon immer all ihr Wissen sowie die Geschichte Ihrer Kultur, durch Schnitzereien, Lieder und Geschichten, die von Generation zu Generation weitergegeben werden.
Aus diesem Grund gibt es immer noch eine Lücke in der Geschichte der Maori, sie ist nicht komplett schriftlich festgehalten sondern wird überliefert.
An jedem Haus der Maori finden sich daher Schnitzereien, die etwas über die Vorfahren, deren Stellung/Position im Stamm aussagt wie Situation in der sich die Menschen damals befanden.
Zusätzlich dazu, tragen viele Maori traditionell Tattoos im Gesicht.
Eine Seite steht für die Familie der Mutter, die andere für die des Vaters und das Kinn für die eigenen Fähigkeiten, rund um die Augen und die Stirn visualisiert die Position im Stamm dar.
Ich finde diese Art der Gemeinschaft der Geschichtsüberlieferung mag vielleicht nie wirklich vollständig sein, dennoch trägt sie sich und erschafft dadurch ein festes Band innerhalb der Familie, des Stammes.
Unser letztes Häuschen nennen die Maori liebevoll Google.
Hier ist Zeit und Raum für sämtliche Fragen, falls wir noch welche haben.
Kurz danach geht es weiter.
Wir bekommen gezeigt, wo unser Essen, das wir gleich bekommen die letzten Stunden vor sich hingehorcht hat.
Unter der Erde.
Aufgrund der natürlichen heißen Quellen und unterirdischen Aktivitäten bereiten die Maori ihre Speisen hier vor.
Am meisten überraschte mich die Tatsache, dass hier die Männer kochen und nich die Frauen.
Vor dem Essen zeigen sie uns ein paar traditionelle Tänze singen für uns und zeigen uns wie der Haka aussehen sollte.
Aber seht und hört selbst.

Diese Gelegenheit ist einmalig und unvergesslich.
Nie werde ich das hier vergessen, wie könnte ich auch.
Jeder den ich treffe, ist so herzlich, offen und inspirierend.
Ich kann die Zugehörigkeit und Gemeinschaft, die hier gelebt wird fühlen und sehen.
Fantastisch.

Essenszeit.
Das Abendessen war so lecker.
Unser Afternoon Tea, den wir zur Begrüßung erhielten, schraubte die Erwartungen hoch, doch sie konnten erfüllt werden.Tamaki Maori Village
Gleich geht es erstmal in den Whirlpool zum entspannen.
Vorher musste ich das hier einfach loswerden.
Das hier erleben zu dürfen ist eines der größten Geschenke, die ich je bekommen habe bzw. mir in diesem Fall selbst gemacht habe.
Statt einfach etwas über diese Kultur zu lesen in einem Buch oder einen Film zu sehen oder eine Show anzugucken, ist das etwas völlig anderes.
Tamaki Maori Village bietet die Möglichkeit, die Kultur der Maori hautnah zu erfahren zu leben, zu entdecken.
Von Herzen vielen Dank, für diese Erfahrung.

Auch hier gilt jetzt, Bilder und auch Videos sagen mehr als ich hier noch schreiben könnte.

Schaut es euch an.

Viel Spaß dabei.

Kia Ora.

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