Ein Tag voller Regen, ein kaputter Bus, kostenlose Süßigkeiten und am Ende eine Pizza in Westport

Lake in the Nelson Park

Mitten in der Nacht fing es aus dem Nichts an zu regnen.
Zuerst dachte ich, dass träume ich doch nur.
Spätestens nachdem aufwachen stellte ich fest, nein, kein Traum.
Es regnet immer noch.
So richtig große Tropfen, nicht so kleine fisselige Tropfen, sondern die richtig großen.
Herrlich.
Ja, genau.
Endlich mal kein Sonnenschein.
Im ersten Moment erschrak ich ein bisschen, finde ich den Regen etwa toll?
Was ist denn mit mir los?
Naja, Sonnenschein ist toll, wirklich, doch so ein richtiger Regen hat auch was.
Sogar verdammt viel, zumindest für mich.
Da kommt wahrscheinlich das Küstenkind durch.
Ich tanze ja auch im Regen, gehe spazieren oder springe in Pfützen.
Manchmal kann ich sogar die Tropfen direkt auf meiner Haut spüren.
Besonders gerne hab ich den Sommerregen, so einer von der Sorte, der sich durch ganz drückende Luft vorher schon stundenlang ankündigt.
Mit einem Mal entlädt sich dann alles, der Regen riecht dann nach Sommer, Freiheit und ein bisschen was von allem halt.
Einmalig.
Heute wird also ein Regentag, dass war schon mal klar.
Gegen Mittag ging es in den Bus weiter Richtung Süden.
Ich saß zur Abwechslung mal in einem kleineren Bus.
Öfter mal was neues.
Zumindest bis zum nächsten Ort.
Dort standen wir immer mal wieder am Straßenrand.
Nachdem dritten Stopp wurde uns klar, irgendwas stimmt hier ganz und gar nicht.
Unser Busfahrer telefonierte immer wieder wie wild, lief um den Bus rum, öffnete die eine oder andere Klappe, sagte aber nichts.
Bis wohl klar war, wir kriegen einen neuen Bus.
In der kurzen Zwangspause kauften wir uns alle was zum MIttagessen.
Weiter gehts.
Wir kamen gut voran.
An uns zog eine beeindruckende grüne Landschaft vorbei, in der die einzigen Farbkleckse, die Schafe oder Kühe waren.
Plötzlich lag ein Auto vor uns im Straßengraben, einen Moment zuvor hatte es sich anscheinend gedreht.
Der Busfahrer stieg aus um zu helfen.
Während wir im Bus sitzen bleiben und warteten.
Gott sei Dank ist niemandem außer einem Schock was passiert.
Nun konnten wir weiterfahren.
Naja, um die nächste Kurve.
Hier blieben wir wieder stehen.
Auf unbestimmte Zeit, wieder was mit der Bordanzeige.
Beim ersten Buswechsel gab es für uns alle noch Süßigkeiten zur Beruhigung, wie die kleinen Kinder stürzten wir uns auf die Sachen. Gib uns Süßigkeiten und die Welt ist wieder in Ordnung. Ein herrliches Bild.
Jetzt standen wir aber erstmal wieder.
Scheinbar dasselbe Problem.
Noch ein neuer Bus?
Keine Ahnung.
Trotz Regen zog es mich raus an die frische Luft.
Da war ich nicht die einzige.
Ohne lange zu zögern, brachte jemand eine Frisbee und ehe ich mich versah, standen wir zu dritt am Straßenrand, im Regen, mitten im nirgendwo und spielten tatsächlich Frisbee.
Ganz ehrlich, dass sind solche Geschichten, die kann sich einfach niemand ausdenken, die schreibt das Leben selbst.
Eine Stunde später etwa fuhren wir wieder weiter, in den nächsten Ort sollten wir rollen können hieß es.
Wie ermutigend.
Das nenne ich mal Abenteuer pur.
Im nächsten kleinen Ort angekommen hielten wir an einer Tankstelle.
Hier kauften manche noch Nervennahrung, während der Busfahrer sich die Finger wund wählte, in de Hoffnung auf Hilfe oder ein Wunder.
Ich entdeckte an der Tankstelle eine alte Telefonzelle, die inzwischen als Bücherschrank diente und konnte dort fündig werden.
Der Hobbit auf Englisch, welch ein Segen, seitdem ich in Hobbeton war, wollte ich eines der Bücher lesen, Bitteschön, Zustellung erfolgreich.
Glücklich stieg ich wieder in den Bus.
Nach einem kurzen Abstecher immer noch im selben Bus, da anscheinend der nun doch durchhalten sollte bis zu unserem Ziel, ging es auf die Zielgerade.
Auf unserem Weg zum Ziel passierten wir wieder mal enge Kurven, enge Brücken vom allerfeinsten, durch den Regen trat an manchen Stellen, dass Wasser schon über die Ufer.
Vertrauenserweckend sieht das nicht aus.
Am Ende erreichten wir unser Hostel dennoch, wenn auch mit 4 Stunden Verspätung.
Völlig erschöpft, dennoch bester Laune, gute Musik hilft da sehr, hieß es einchecken.
Juhu.
Jetzt noch die angepriesene Pizza und ab ins Bett.
Fast richtig.Pizza in Westport direkt aus dem Holzofen
Die Pizza aus dem Holzofen schmeckte echt lecker.
Mit dem Schlafen klappt es einfach nicht.
Deswegen sitze ich noch hier und schreibe diese Zeilen, in der Hoffnung danach Schlaf zu finden
Vielleicht liegt es auch an meinem Gespräch vorhin.
In meinem Zimmer lernte ich Heiko aus Deutschland kennen.
Klar, entweder sind die Menschen hier aus Deutschland oder aus England.
Total komisch soweit weg von zu Hause und so oft höre ich meine Muttersprache.
Manchmal bringt mich das richtig durcheinander.
Zurück zu Heiko und unserem Gespräch.
Wir kamen aufs wandern zu sprechen, da gibts für mich gerade noch jede Menge Fragen.
Einige davon konnte mir Heiko beantworten, gab mir viele Tipps und Tricks mit auf den Weg.
Was mich jedoch am meisten beeindruckt, er reist mit seinem großen Rucksack, in diesem Rucksack steckt sein ganzes Leben.
Keine Kisten irgendwo untergestellt oder so.
Wow.
Als ich ihn dann fragte, ob das nicht komisch für ihn sei, strahlte er mich an.
Nein, das ist jetzt einfach so, ich trag mein Leben jeden Tag mit mir rum.
Sein Strahlen und Leuchten in den Augen, die Begeisterung für diese Art des Lebens, ist mir nicht fremd, sie so klar vor Augen geführt zu bekommen, ist nochmal was anderes.
Voller Dankbarkeit geht es mir heute, wie an den meisten meiner Tage hier, erfüllt es mich, dass hier alles erleben zu dürfen.
Vielleicht krieg ich morgen etwas Sonne, ansonsten finde ich eine andere Beschäftigung.
Gleich versuche ich erstmal zu schlafen.
Habt einen schönen Sonntag ihr Lieben.

Liebe Grüße aus Neuseeland,

Jaqueline

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