Die Liebe meines Lebens

Seit meiner Jugend befinde ich mich im Krieg.
Mit mir.
Naja, vielmehr mit meinem Körper und der Waage, dem Essen und den Klamotten, einfach allem.
Echt.
Ich könnte kotzen.
Hab die Schnauze gehörig voll.
Ich will nicht mehr.
Hab es einfach satt!
Jetzt ist Schluß damit.
Ehrlich.
Bin ich doch davon ausgegangen, in den letzten Jahren, mit meinem Körper, bin ich glücklich.
Wieso vergleiche ich mich hier ständig, mit diesen trainierten braungebrannten Menschen?
Achso, nicht durch.
Verstehe.
Seit heute schon viel eher.
Immer ging es nur darum, den perfekten Körper zu haben, auf etwas zu verzichten.
Dies geht nicht mit dem, davon weniger, Punkte zählen, abwiegen…
Bei jedem Blick in den Spiegel fühlte es sich an wie vor Gericht zu stehen.
Hier hab ich zu wenig, da zu viel.
Gibt mir mal jemand bitte eine Schere?
Dann kann ich gleich hier kurzen Prozeß machen.
Gerade zum Jahresanfang sind die Zeitschriften wieder voll von der perfekten Bikinifigur, den Diäten mit denen in diesem Jahr ganz sicher alles anders wird.
Diesmal klappt es ganz sicher, sagte ich mir so oft.
Völliger Blödsinn.
Absoluter Wahnsinn.
Es grenzt an ein Wunder, wenn ich bedenke, wieviel und was ich meinem wundervollen Körper alles abverlangt habe, das es ihn noch gibt.
So glaubte ich viel zu lange, die Liebe der anderen, mein Selbstwert hinge von der Zahl auf der Waage oder gar meiner Kleidergröße ab.
Kämpfte ohne je eine Chance gehabt zu haben.
Einen aussichtslosen Kampf, gegen den wichtigsten Menschen in meinem Leben, mich selbst.
Da heute am Wasser kam mir plötzlich die Erkenntnis.
Für eine Bikinifigur brauche ich nur zwei Dinge: einen Bikini und meine Figur.
Fertig.
Das ist es.
Ja, so einfach ist das.
Kein Hungern, kein trainieren.
Mein Körper verändert sich jede Sekunde in meinem Leben, ob ich will oder nicht. Das macht für ihn keinerlei Unterschied.
Ganz und gar nicht, dass interessiert ihn wahrscheinlich noch nichtmal.
Inzwischen weiß ich eine Menge über gesunder Ernährung, lerne jeden Tag aufs neue mehr über mich und meinen Körper.
Verstehe was er mag, was er braucht, was eher nicht.
Versuche ihn statt zu bekriegen, zu unterstützen, ihm zu geben was er braucht.
Mein Körper ist der einzige, den ich je kriegen werde.
Soweit ich weiß kann ich ja nicht in einen Supermarkt gehen und mir aus dem Regal, einfach einen neuen anderen holen gehen, nur weil mir meiner gerade nicht passt.
Nein.
In mir bin ich zu Hause.
Vor ein paar Tagen schaute ich nochmal diesen besonderen Film „Embrace“ von Taryn Brumfitt, mit der Unterstützung von Nora Tschirner.
Ich danke allen Frauen, die an diesem Film mitgewirkt haben, einen Teil ihrer sehr persönlichen Geschichte teilen, um dem Kampf zu beenden.
Ihr inspiriert mich, ermutigt mich, meinen Körper zu umarmen, ihnen zu hegen und zu pflegen statt zu bekämpfen oder gar zu malträtieren.
Behandele dich selbst, wie du behandelt werden willst.
Wenn du dich schlecht behandelst, ist das eine Einladung an alle anderen, es dir gleich zu tun.
Wieso erwartest du von den anderen etwa etwas zu dem du selbst nicht bereits bist?
Mit welchem Recht?
Keinem.
Jahrelang lief ich durch diese Welt, suchte nach der großen Liebe meines Lebens.
Die eine große, die mich nimmt so wie ich bin, am besten noch dem Prinzen auf dem Pferd.
Der sich um mich kümmert, mich rettet, weil schließlich dann alles gut wird.
Ich lag falsch.
Meine Liebe meines Lebens wartet, seit dem Moment meiner Geburt darauf, dass ich sie endlich sehe, wahrnehme, erkenne.
Ich selbst, bin die Liebe meines Lebens.
Niemand wird je so viel Zeit mit mir verbringen können, wie ich.
Keiner weiß so gut, wie es in mir aussieht.
Oder was ich wirklich denke und fühle, wie ich.
Stimmt.
Ich schließe heute Frieden mit mir und meinem Körper.
Nehme ihn liebevoll in den Arm, danke ihm das er für mich da ist, atmet, lebt mich mit allem versorgt was ich brauche, Tag für Tag aufs Neue.
Mir oft auch kleine Sünden verzeiht, dennoch fleißig jeden Tag aufsteht, weiterlebt, atmet, mein Herz in mir für mich schlagen lässt.
Es ist schön, dass es dich gibt.
Wir alle sollten unsere Körper, für ihre Einzigartigkeit feiern, statt mit Ihnen und uns zu hadern.
So sehr ich auch versuchte jemand anders zu sein oder so auszusehen, bin und bleibe ich immer ich.
Jaqueline.
Hallo, freut mich dich kennenzulernen.
Eine wichtige Erkenntnis ist, dass Zeitschriften oder Bücher mir versuchen zu sagen, was richtig für mich ist, mein Weg sein sollte zur richtigen Figur.
Jeder unserer Körper ist so vielfältig, dass es den einen Weg, die eine richtige Ernährung gar nicht geben kann.
Wir alle brauchen unterschiedliche Dinge, deshalb gibt es auch so viele verschiedene Sachen.
Plötzlich macht das echt Sinn.
Wahnsinn.
Nein, ganz im Ernst, selbst nach vielen Kilos weniger, glaubte ich bis heute, ich bin immer noch nicht schlank genug.
Muss dringend noch weiter abnehmen, das reicht noch nicht.
Ich reiche noch nicht.
Sehe einfach nicht so aus, wie all diese schönen Frauen auf den ganzen Werbeanzeigen, in den Zeitschriften.
Irgendwas mache ich also falsch oder?
Da dachte ich wieder an Taryn und ihren Film.
Ich mache nichts falsch.
Absolut nicht.
Ganz im Gegenteil.
Zu glauben, schlanke schöne Menschen, sind mit ihrem Körper absolut zufrieden, erst dann ist man endlich glücklich, ist der Irrglaube.
Die große Falle.
Schlank sein, heißt gesund sein, schön sein, erfolgreich, beliebt.
Gesund zu leben, mit sich selbst im Einklang voller Liebe sein, gut für sich sorgen, ausreichend Bewegung, essen mit Genuss und Freude, darum geht es.
Für diesen unerbittlichen Kampf mit der Peitsche hinter sich selbst stehen und sich quälen, dafür ist unser Leben viel zu kurz.
Wofür?
Den einen Moment, das eine Foto?
Und dann?
Ich schließe heute Frieden und nehme Abschied von diesem Teufelskreis.
Mag sein, dass ich nie Größe 0 tragen werde, nie Modelmaße besitze, auf keinem Cover einer Zeitschrift zu sehen sein werde oder ein Sixpack haben werde.
Wollte ich das je?
Nein.
Achso.
Gut.
Essen, Leben ist für mich pure Freude und Genuss, dass schließt auch meinen Körper und seine Maße, sein Aussehen mit ein.
Mein Körper gehört zu mir und das ist gut so.
Ich liebe jeden Zentimeter an mir, ja jeden.
Alles an mir und in mir erzählt die Geschichte meines Lebens, spiegelt meine Freuden und mein Leid wieder, ist wie ein Buch des Lebens.
Wow.
Aufregend.
Ja, unser Körper ist die Hülle in der wir leben dürfen und es ist Zeit, sie zu akzeptieren, als das Geschenk, das sie ist.
Liebe dich selbst, wie die Liebe deines Lebens, denn das bist du in Wirklichkeit.
Erst in diesem Moment ist jede weitere Liebe nur noch Bonus.
Sollte diese Bonusliebe je vergehen, bleibt da immer noch deine, die wird nämlich nie vergehen.
Das muss ich nur auch anfangen nicht nur zu verstehen sondern zu leben.
Und ich fange gleich heute damit an.
Ich liebe mich.