Erschöpft und glücklich

Oh Mann, das ist ja mein Wecker.
Aufstehen.
Aufstehen ist angesagt.
Echt?
Mein Plan gestern Abend, früh ins Bett, viel schlafen, damit ich heute Morgen frisch ausgeruht in den Tag starten kann.
Diese Pläne immer.
Im Bett lag ich auch sehr früh, bloß geschlafen hab ich halt nicht.
Anders als sonst, kamen da noch Zimmergenossen rein, mit denen ich mich einfach zu gut unterhalten hab.
Über alles mögliche, wie soll ich da auch schlafen?
Ehrlich.
Also wieder mit wenig Schlaf in den Bus.
Aber nicht ohne zuvor mir vom wahrscheinlich einzigen Bäcker in ganz Neuseeland noch eine große Brezel zum Frühstück zu holen.
Richtig gelesen, eine Brezel.
Wenn es etwas gibt, das ich vermisse dann Laugengebäck unter anderem Brezel.
Und die hier in Queenstown kann ich nur besten Gewissens empfehlen.
Nachdem ich diesen Leckerbissen draußen an der frischen Luft genossen habe, ging es ab in den Bus.
Die Müdigkeit erschlug mich von einen auf den anderen Moment so sehr, dass ich mich entgegen meiner sonstigen Routine im Bus schlafen legte.
Mehrere Nächte ohne vernünftigen Schlaf sind einfach nichts mehr für mich.
Keine Ahnung, wie ich das früher zu Unizeiten anstellte, auch noch was in der Uni auf die Reihe zu kriegen.
Zurückblickend bewundere ich das sehr.
Unsere Fahrt führt uns nur kurz an die sogenannten Fotostopps, ansonsten fahren wir fast ausnahmslos direkt in Richtung Ziel.
Mit der Zeit wird es auch immer heißer, die Sonne brennt mitunter richtig.
Das Wetter wechselt hier so schnell, da kannste gar nicht nach gucken.
Am Ende sind wir auf unserem Campingplatz am Lake Tekapo angekommen.
Wow.
Was für ein Anblick, dieses türkisfarbene Wasser, die Sonne und die einrahmenden Berge.Lake view
Bereits kurz nach der Ankunft zog es mich dann doch wieder raus an die frische Luft.
Schließlich muss ja auch noch ein bisschen Müdigkeit für nachts übrig bleiben.
Als ich gerade dabei war auf den Wanderweg zu gehen, traf ich ein paar andere Leute aus dem Bus, die auch den Berg hochwollten.
Wieso heute nicht mal zur Abwechslung also gemeinsam wandern?
Mal was anderes.
Wir gingen zu fünft rauf auf den Berg, kamen am Schluß aber nur mit drei Personen wieder runter.
Die anderen beiden ließen wir nicht irgendwo zurück, nein.
Sie wollten nur so viele Fotos machen, da sind wir einfach schon weiter gegangen.
Mich beim wandern auch noch zu unterhalten, dabei zu lächeln, keinen Kreislaufkollaps zu kriegen, sieht in den Filmen immer super einfach aus.
In etwa so wie die ganzen Jogger, die mit dieser verdammen leichtfüßigen Art, vor sich hin laufen und reden und reden.
Ahhh.
Das überfordert mich.
Nicht nur, das die Steigung es mal wieder in sich hatte, nein, ich schwitzte gefühlt überall.
Zwischendurch dachte ich echt, wo ist mein Sauerstoff?
Am Ende schaffte ich es zusammen mit den anderen allerdings bis ganz nach oben auf den Berg.
Dort angekommen wurden natürlich Beweisfotos gemacht.
Diesmal ließ ich auch eins von mir machen.
Beim späteren betrachten des Fotos, wurde mir ganz warm ums Herz.
Für mich strahlt dieses Foto soviel Freude, trotz all der Anstrengung aus, Stolz und Freiheit.
Ganz zu schweigen von dem unbezahlbaren Blick von oben über das gesamte Gebiet.
Guckt mal.
Diese Weite, die Berge und die Farben des Sees, des Flusses.
Ein Anblick den ich so schnell nicht wieder vergessen werde.
Zurück unten angekommen genoß ich eine heiße Dusche, unterhielt mich beim Abendessen mit ein paar anderen, bevor ich erschöpft und glücklich früh ins Bett fiel.

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