Wenn der Herbst plötzlich mit der Tür ins Haus fällt

Herbst in Christchurch

Tja, so völlig unromantisch platzt der einfach rein in den Sommer, nimmt ihm jegliche Stärke und Kraft.
Der traut sich wirklich was, der Herbst.
Von einem Moment auf den nächsten färben sich die Blätter, die Temperaturen machen was sie wollen und passe ist das braun werden oder wie jetzt?
Läuft das hier anders und in doppelter Geschwindigkeit als in Europa ?
Scheinbar.
Gestern saß ich noch im botanischen Garten, bekam ordentlich Farbe im Gesicht, durchquerte den Rosengarten, atmete tief und selig die Vielfalt der Rosendüfte ein.

Ganz anders heute, nach wenigen Stunden kam ganz unvermittelt der kalte Wind daher, die Temperaturen fielen und bis jetzt ist keine Änderung in Sicht.
Das wars dann wohl mit dem neuseeländischen Sommer.
Ich genieße am besten jeden weiteren Sonnenstrahl, den ich in den mir noch verbleibenden 11 Tagen finden kann.
In Deutschland zurück, Ende des Monats erwartet mich der Frühling, schon ein bisschen verrückt vom beginnenden Herbst in den Frühling zu wechseln.
11 Tage noch, dann ist das Abenteuer Neuseeland vorbei.
Irgendwie begreif ich das noch nicht.
Vielleicht liegt das daran, dass s ich einfach gerade zu durcheinander bin.
Bewege mich in einer emotionalen Zwischenwelt, noch hier, dann wieder nicht.
Gefühle sind schon seltsam, ob ich sie je verstehen werde?
Ich lasse es in meinen letzten Tagen ruhiger angehen, versuche öfter mal eine Pause zu machen, gehe viel spazieren und nehme mir Zeit für mich.
Denn wenn ich etwas unterschätzt habe, dann das diese Reise nicht plötzlich endet oder ich davon Urlaub nehme, sondern genau dies gerade mein Leben ist.
Wieviele Menschen treffe ich hier, die zurückgehen in einen neuen oder ihren alten Job, in ihre Wohnung, ihr Leben.
Als ich im Dezember losgeflogen bin, ließ ich all das hinter mir.
Gab meine Wohnung, den Haushalt und auch meinen Job auf.
Sortierte dabei mein ganzes Leben aus, behielt nur was mir absolut wichtig ist und in wenige Umzugskartons passte, die nun bei meinen Eltern stehen.
Ich stelle fest, sobald ich Menschen auf meiner Reise begegne und ihnen davon erzähle, reagieren sie geschockt, bewundern mich, sagen sie könnten das nicht oder finden es mutig.
Jedesmal aufs neue irritiert mich das, war dieser Schritt für mich, nach allem doch nur die logische Konsequenz, schien mir nichts anderes sinnvoll oder gar logisch.
Doch mittlerweile dämmert mir, was sie meinen, fange an zu verstehen, was allein der Gedanke mit ihnen macht.
Wie oft hatte ich bewundert zu all diesen Menschen, die genau das gemacht haben, aufgeschaut, mir ausgemalt wie es sein würde sowas auch mal zu machen.
Für mich das Ganze aber abgetan, viel zu unsicher, komplett verrückt.
Manchmal beim Blick in den Spiegel, muss ich sehr lachen, da entdecke ich diese junge Frau, mich selbst, die genau das nun selbst gemacht hat.
Bin ich also nun verrückt geworden?
Nein, ganz im Gegenteil, ich bin dem Ruf meines Herzens gefolgt und angefangen los zu gehen.
Und Neuseeland ist da erst der Anfang, von noch vielmehr.

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