Zeit des Abschieds

Chai auf dem farmers market in Christchurch

Ich fühle mich hin und her gerissen.
In mir tobt ein großer Sturm an Gefühlen.
Mag das nicht.
Ganz und gar nicht.
Den Schalter zum Abstellen, noch nicht gefunden.
Abschied nehmen in der einen Waagschale, Vorfreude in der anderen.
Bäh. Pfui Teufel.
Es ist dieser Moment, wenn du erkennst,
dass du nun gehst.
Die Dinge mit völlig anderen Augen siehst, versuchst alles nochmal besonders tief in dich aufzusaugen, nichts zu verpassen, jedes noch so klitzekleine Detail in dir aufzunehmen um ja nichts zu vergessen.
Der Moment wo du begreifst, dass sehe ich erstmal zum letzten Mal, verursacht in mir, diesen schmerzhaften Kloß im Hals, schlucken fällt schwer, tut weh.
Meine Atmung geht schwer, kann nicht aufhalten, was schon längst auf dem Weg ist, die Tränen, heiß und brennend kullern sie mir übers Gesicht.
Darauf bin ich heute noch nicht gefasst gewesen.
Mit allem gerechnet, dass vielleicht eine Träne auf dem Farmers Market kommt, doch hier?
Ja genau hier und jetzt.
Neuseeland, ein 20 Jahre alter Kindheitstraum ist mit dir endlich in Erfüllung gegangen und nun heißt es Abschied nehmen.
Wieso tut es bloß so weh?
Ich fand den Mut herzukommen, in dieses unbekannte Land, meinen Traum zu leben, statt nur darüber nachzudenken.
Die Zeit des Abschieds ist gekommen, all dem vertrauten, dem gewohnten weicht nun der Aufbruch in das nächste Abenteuer.

Vorher hieß es traditionell, ist schließlich Samstag, ab auf den Farmers Market.
Juhuu.
Mit einer Freundin zusammen macht das auch gleich viel mehr Spaß.
Was es da für uns nicht wieder alles zu probieren und zu sehen gab.
Welch Genuss fürs Auge und den Gaumen.
Von einem zu anderen sind wir dieses Mal geschlendert, probiert was wir beim letzten Mal ausliessen und neu dazu gekommen ist.
Ein Gespräch oder eine Fachsimpelei über Apfelsorten, dem Geschmack von Oliven bis hin zum Gespräch mit einem Berliner über Eisherstellung.
Am Schluss verabschiedete ich mich noch von der lieben Dame und ihrem Ehemann am israelischen Brotstand.
Völlig aus den Socken haute mich, dass sie mir zum Abschied sogar ein Knoblauchbrot schenkt.
Natürlich gab es von mir eine Umarmung als Dankeschön.
Diese Herzlichkeit, die Offenheit nehme ich mit, wohin auch immer ich gehe.

Im Anschluss an den Farmers Market ging es auf den städtischen Ostermarkt.
Total schön, die lokalen Künstler zu sehen, die Atmosphäre einzusaugen und aufzunehmen.
Entspannt, fröhlich, interessiert.

Oh Mann, Christchurch du machst mir meinen Abschied echt nicht leicht.

Euch allen wünsche ich ein schönes Wochenende.

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