Einfach mal raus, ab nach Berlin

Der Telespargel

Manchmal, da gibt es Momente, da will man einfach mal raus.

Was anderes sehen, frische Luft schnappen gehen.

In diesem Fall ließ sich das ganz wunderbar mit verschiedenen anderen Dingen kombinieren.

Also hieß es letzte Woche, ab nach Berlin.

Morgens ganz früh startete ich in die Stadt, die mir in den letzten Jahren sehr ans Herz gewachsen ist.

Berlin.

Nach einer kurzen Verschnaufspause, Frühstück mit einem Freund ging es auch schon zum ersten Termin.

Dem Interview mit Freunde fürs Leben e.V.für mein Buch „Der Kampf um mein Leben“.

Zugegeben ich bin richtig aufgeregt gewesen.

Doch bereits kurz nach meiner Ankunft im Verein war die Aufregung fast vergessen, weil ich einfach so herzlich willkommen geheißen worden bin.

Hinzu kam die Tatsache, dass ich meine Bücher in gedruckter Form, hier das erste Mal in den Händen halten konnte.

Was für ein besonderer Moment für mich.

In mir herrschte für eine gewisse Zeit völlige Überforderung, da war Glück, Stolz, Bewunderung und Wahnsinn zugleich in mir.

Irre, solange an etwas gearbeitet zu haben, mit voller Inbrunst, Herzblut und Leidenschaft, die da eingeflossen ist und dann plötzlich ist es fertig.

Liegt in meiner Hand, ich kann es anfassen, daran riechen (Bücher riechen wundervoll), darin blättern oder es einfach nur anschauen.

Ich kenne jedes Wort darin, weiß worum es geht.

Gut, dass wir dann das Interview gemacht haben.

(Sobald es verfügbar ist, findet ihr es natürlich auch hier auf dem Blog.)

Komisches Gefühl, dieses Mal auf der anderen Seite zu sitzen, interviewt zu werden, statt zu interviewen, sowie letztes Jahr, als ich Catharina zum Thema Geh deinen Weg! interviewte.

Am Abend ging es zu der Eröffnung einer Fotoausstellung mit Freunden.

Wie lange war ich eigentlich nicht mehr in einer Ausstellung, ging mir vorher noch durch den Kopf?

Keine Ahnung, weiß ich gar nicht mehr so genau, schoss es mir durch den Kopf.

Ein klares Zeichen dafür, dass es eindeutig schon zu lange her ist.

Es ist Donnerstagabend. Ich bin bereits verdammt lange wach und unterwegs und nun bin ich mit Freunden auf der Ausstellungseröffnung von Stella Polaris (Das leuchtende Gedächtnis der Erde). Im Mittelpunkt dieser beeindruckenden Arbeit von Sven Nieder, Nomi Baumgartl,Yatri Niehausund Laali Lyberth steht das Schmelzen des großen Eises in Grönland und der Einfluss dessen auf uns alle. Die Künstler schaffen es durch ihre Arbeit und die daraus entstandenen beeindruckenden Bilder zu berühren, einen zu ergreifen und mitzunehmen in ein Land das für mich ehrlicherweise vorher eher uninteressant wirkte. Es aber nicht ist. Die Redner dieses Abends und der gezeigte Film machen deutlich wie unausweichlich dieses Thema inzwischen ist. Wunderschön, beeindruckend und zugleich etwas bedrückend, bleibt doch die Frage: Was kann ich tun?

Stella Polaris Ausstellung Willy Brandt Haus BerlinStella Polaris Ausstellung Willy Brandt Haus Berlin

Die Ausstellung läuft noch bis zum 1.7.2018 im Willy-Brandt-Haus in Berlin und ich kann sie euch nur ans Herz legen.

Nach diesem verdammt langen sowie ereignisreichen Tag, hieß es ab ins Bett für mich.

Ein neuer Tag in Berlin.

Auf meinem Spaziergang und der Entdeckungstour durch noch unbekanntes Terrain finde ich sie immer öfter. Diese ganz besonderen Orte, solche die besonders sind und es immer bleiben werden. Dieser Weg zum Beispiel, ist der Mauerweg, an dem einst die innerdeutsche Grenze unser Land teilte. Heute wachsen hier vom japanischen Fernsehen gesponserte Kirschbäume auf der einen Seite und auf der anderen Seite grüne Laubbäume. Beim Anblick dieser schönen Natur, fällt es schwer zu glauben, was hier einst war und doch scheint es das zu sein was am Ende bleibt. Die Pflanzen wachsen an manchen Stellen ineinander als wollten sie sagen: Wir sind endlich frei! Wir gehören zusammen. Das ist berührend und ein Stück lebende, gefühlte Geschichte.Mauerweg und das Gefühl der FreiheitBerliner Mauerweg

Andere Situation an diesem Tag.

Eine ganz normale Straße mitten in Berlin. Denke ich. Schaue an den Fassaden hoch bestaune die Architektur, betrachte neugierig die Läden und Restaurants. Mitten im Laufen halte ich inne. Was ist das? Wie aus einer anderen Zeit, ragt da mitten im Häuserensemble ein altes Gebäude mit zwei hohen Türmen empor. Es ist beeindruckend und scheint hier einerseits nicht hinzugehören und doch fügt es sich ins Gesamtbild. Berlin ist so vielseitig, gerade wenn du glaubst du kennst es, überrascht es dich von neuem.

Das Gebäude der katholischen Pfarrgemeinde St. Marien in Beriing

Das Gebäude der katholischen Pfarrgemeinde St. Marien in Beriing

Dann folgt der letzte Tag in Berlin.

Etwas beklommen ist mir am morgen schon zu mute.

Am späten Nachmittag fahre ich wieder zurück.

Auch wenn dies nur wenige Tage waren, bedeuten sie mir doch alles.

Schließlich kehre ich als eine andere zurück, als ich fuhr.

Aber zuvor traf ich mich noch zum Abschiedsfrühstück mit einem Freund.

Es gab einen leckeren Crêpe mit Apfel Zimt im Melt Caramel. Mmmmhhh so lecker. Besonders beeindruckend fand ich die wundervolle Frau, die uns bediente, da sie normalerweise mit mindestens einer weiteren Person das Café schmeißt, heute Morgen vor der Entscheidung stand, entweder schließ ich das Café oder rock das ganz alleine. Sie entschied sich es zu rocken und das tat sie auch. Mit ihrer ganz unverwechselbaren positiven Einstellung gab sie ihr bestes, fluchte zwischendurch auf Französisch, lächelte und bestach durch ihre pragmatische Art. Fleißig und nicht aus der Ruhe zu bringen, meisterte sie alle Bestellungen, klar es dauerte seine Zeit, aber das war es wert. Vielen Dank für die mutige Entscheidung, das Café heute doch aufzumachen. Mir wäre sonst definitiv etwas entgangen.Crepe Apfel Zimt im Melt Caramel in Berlin

Noch kurz ein bisschen bummeln bevor es zu meinem letzten Termin in Berlin geht.

Ich treffe jemanden, den ich bisher nur über Skype, Email und Instagram kenne.

Ernst.

Der Ernst, der „Ein gutes Ziel” erfunden hat, mit dem ich mein Buch innerhalb kürzester Zeit letztes Jahr geschrieben habe. (Hierzu gibts auch noch ein Interview und einen Artikel)

Wie aufregend.

Und dann einfach nur schön, jemanden zu treffen mit dem es viel zu erzählen gibt.

Am Ende saßen wir beide bei schönstem Sonnenschein am Kanal und schauten uns stolz mein Buch an.Landwehrkanal in Berlin

Sprachen über Ziele, unsere Pläne und das Leben.

Für mich ein absolut gelungener Abschied von meiner kleinen Auszeit in Berlin.

Dies war übrigens die kleine Auszeit bevor es in wenigen Tagen endlich mit meiner großen Auszeit wieder weitergehen kann.

Nachdem sich alles aufgrund von Krankheit, länger hingezogen hat, als ursprünglich mal gedacht.

Dazu an anderer Stelle mehr.

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