Mein Camino – zurück

Auf dem Camino

Die Wunden heilen, die Sachen wieder im Schrank verstaut.

Was bleibt sind die Erinnerungen, die an eine unvergessliche einmalige Zeit.

Sowas von dem man seinen Kindern und Enkelkindern erzählen wird.

Immer noch hadere ich mit mir viel darüber zu erzählen, ins Detail zu gehen.

Bin unsicher, ob da draußen außen denen die dabei waren, andere diese Wunder, diese „Camino Magie“ verstehen können oder einen am Ende für verrückt erklären.

Davon gibt es da auf diesem Weg nämlich mehr als genug, Magie.

Wie oft in meinem Leben belächelte ich Leute, die mir von Wundern oder komischen Dingen, die ihnen passiert seien erzählten.

Ja, geht nicht mehr.

Wenn du selbst plötzlich dastehst und den Mund nicht mehr zu kriegst, glaubst das kann doch gar nicht sein, in dir alles vor Freude und Dankbarkeit übergeht, ist es Magie.

In Wahrheit ist unser aller Tag voller großer und kleiner Magie.

Nur sehen wir sie viel zu selten, können sie manchmal nicht erkennen.

Aber dort gibt´s so viel davon, allein beim Gedanken daran, muss ich einfach lächeln.

  1. Juni 2018 Portomarin

Ich bin heute Morgen wieder einmal sehr früh aufgestanden. Glaube es war irgendwas um 5 Uhr rum. Seitdem ich vor einigen Tagen alleine weiter gegangen bin, treibt es mich früher als sonst aus dem Bett und auf den Weg. Aber ich bin nicht die erste. Die Lehrer einer Schulklasse bereiten schon das Frühstück vor. Mit dem Frühstück halte ich mich nicht lange auf. Seitdem ich gestern am 100,00 km (bis nach Santiago) Stein vorbeikam, ist das Ziel in greifbare Nähe gerückt. Santiago. Seit mehr als einem Monat bin ich inzwischen unterwegs, tagtäglich stehe ich auf, setze den Rucksack auf und laufe los. Die Erschöpfung ist spürbar, die Knie tun weh und dennoch ist die Motivation fast größer als vorher. Ich begebe mich also wieder auf, vertraue auf die Steine, die Pfeile und die anderen Wegweiser, auf meinem Weg zum Ziel. Kurz bevor ich schon ziemlich früh mittags, die heutige Etappe Palas de Rei erreiche, setzt ein strömender Regen ein. Doch statt mir Schutz zu suchen, stelle ich mich mitten in den Regen. Der Blick geht hoch und ich versuche die Tropfen zu greifen. Dabei fühle ich mich wie ein kleines Kind. Als der Regen jedoch stärker wird, flüchte ich mich in die Kirche des Dorfes. Außer mir ist noch ein Mann dort, der einem einen Stempel gibt, wenn man will.  Auf dem Altar sind verschiedene Körbe, mit unterschiedlichen Landesflaggen drauf. Mein Rucksack steht brav in der Ecke und ich setze mich. Den ganzen Tag über bin ich bereits sehr unruhig, treibe mich selbst immer weiter voran. Doch wofür? Hier hat noch keine Herberge auf, so früh bin ich nun da. Nach einem Moment der Besinnung greife ich in den Korb mit den deutschen Sprüchen und Zitaten. Mist! Genau, dass was ich brauche. Aber woher? Schnell wische ich mir die Tränen von der Wange, packe ihn gut ein und stehe an der Tür. Im Anschluss daran, gehe ich in einer Bar eine Portion heißen Milchreis essen, das finden die zwar komisch, sonst wird der hier nämlich kalt gegessen, aber sie tun mir den Gefallen. Während ich auf mein Essen warte, treffe ich eine Entscheidung. Ich laufe weiter bis nach Melide. Insgesamt ist das dann heute eine Strecke von 42 km. Viel darf ich darüber gar nicht nachdenken. Im Regen laufe ich also weiter, getrieben, gestützt und gehalten von den Worten, die ich gerade las, mit dem Gefühl dort heute hin zu müssen.

Kurz vorher ist es verdammt anstrengend, will nur noch ankommen. Kann mich kaum noch auf den Beinen halten. An vielen Herbergen komme ich vorbei, doch die richtige erreiche ich erst nach weiteren Kilometern. Mir begegnen zwei wundervolle Menschen Erik und Christina. Unter anderem sind sie der Grund, wieso ich heute 42 km gelaufen bin. Wirklich verstehen sollte ich das aber erst am nächsten Tag. Wir saßen abends beieinander und öffneten unsere Herzen. Das ist schwer zu erklären, aber bei diesem Gespräch wusste ich es einfach, deshalb bin ich hier.

Es sind diese Momente, wo ich das Gefühl habe, da steckt ein großer Plan dahinter. Manchmal kommen wir mit Menschen zusammen, die gerade ähnliches durchmachen oder schon mal das getan haben, was man gerade tun will. Komischer Zufall oder?

Doch immer noch sind wir dann gefragt, genau diese Chance, diese Möglichkeit zu nutzen.

Unser Leben ist voller kleiner und großer Magie Momente.

Die Entscheidung, ob wir sie in unser Leben lassen oder nicht, treffen wir.

Psssttt….in Wahrheit sind wir selbst auch Magie bzw. ein großes Wunder.

Das dieser Körper so funktioniert, Wahnsinn.

 

In diesem Sinne wünsche ich dir viele große und kleine „besondere Momente“ in deinem Leben, die dich wieder daran glauben lassen, dass das Leben für dich ist.

 

Hab einen wundervollen Tag.

 

Alles Liebe,

 

Jaqueline

 

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